Kirchweihfest
   
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Unsere Matthäus-Kirche wird am 1. Advent 125 Jahre alt
 


Die kleine Dorfkirche war mit ihren 72 Plätzen längst zu klein geworden. Seit 1873 der Bahnhof an der Berlin-Potsdamer Stammbahn erweitert worden war, wuchs die Bevölkerung von Steglitz explosionsartig. Daher wurde für das größte Dorf im Landkreis Teltow eine neue Kirche geplant und im Juli 1877 dazu der Grundstein gelegt. Die Urkunde aus diesem Anlass zeigt Unterschriften so bekannter Steglitzer wie Zimmermann, Wuthenow, Dahlemann und Berlinicke, alles Namen heutiger Straßen.
Landesbauinspektor Gette hatte die neue Kirche im damals modernen Neogotischen Stil geplant. Der Bau verschlang die beträchtliche Summe von 300.000 Reichstalern, wovon die Gemeinde in den nächsten Jahren die Hälfte selbst aufbringen musste. Am 1. Advent 1880 (28.11.) war es endlich soweit. Die neue Kirche von Steglitz wurde eingeweiht. Welch ein Ereignis für das aufstrebende Steglitz!
Die folgenden Schlussworte der Predigt, die Pfarrer Arthur Wuthenow zur Einweihung gehalten hat, sind uns Heutigen in ihrem Stil etwas schwer verständlich, doch weisen sie nicht in ihrer Gültigkeit in eine ewige Zukunft?

Dieses Haus, Gottes Haus, soll ein Bethaus sein; hier sollen Gebete aufsteigen für die Kirche des Herrn, ... für unser Vaterland und Gemeinde, für die Obrigkeit, Juden und Heiden, für Große und Kleine, für Leib und Seele. Ach möchten von dieser Stätte stets aufsteigen innige Gebete, das Hosianna unseres Dankes, heilige Gelübde, innige, kindliche Bitten. - Eine betende Gemeinde sei ihr herrlichster Schmuck. Für solches Ziel kann kein Gotteshaus zu schön erscheinen. Das giebt lebendige Bausteine, von denen es heißt: Ihr seid das auserwählte Geschlecht, das königliche Priesterthum, das heilige Volk, das Volk des Eigent-
hums, daß ihr verkündigen sollt die Tugenden des, der euch berufen hat von der Finsterniß zu seinem wunderbaren Licht – das giebt bessere Zeiten; da ist es gut um uns bestellt; und dazu bitten und flehen wir: Herr hilf, Herr, laß wohlgelingen. Wir können’s aus uns nicht, aber der Herr unser Heiland will solches in uns wirken, wenn wir bitten in seinem Namen. Nun Herr Jesu hilf, Herr laß wohl gelingen! Amen.



Gerhard Poser