Leitartikel
   
Startseite
 Aktuelles 
 Diese Ausgabe 
 Wissenswertes 
 Ausgabe 3/2004 
Seid wachsam, steht fest in Glauben, seid mutig, seid stark! Alles, was ihr tut, geschehe in Liebe.
1. Kor 16, 13-14
Monatsspruch für Juni 2004

Mutig, stark, wachsam. Würden Sie mit diesen Worten den Begriff "christliche Kirche" beschreiben? Oder eher mit Worten wie "unauffällig", "sanft", "lieb" und "harmlos"?
Die (nichtkirchliche) Öffentlichkeit erwartet von der Kirche, dass sie sich um diejenigen küm-mert, die in der modernen Gesellschaft ihren Platz nicht behaupten können, also um Alte und Kranke, Behinderte oder Obdachlose. Dabei soll die Kirche möglichst still und unauffällig sein. Und wie sehen wir Christen unsere Kirche und uns selbst? Bemühen wir uns nicht auch meistens, möglichst unauffällig zu leben? Überlassen wir die klare, mutige Außenwirkung nicht den Fun-damentalisten aller Couleur? Sind wir nicht ein kleines Schifflein, das auf den Wogen schau-kelt?
Der Apostel Paulus hat ganz offensichtlich ein anderes Bild von den Christen:
In den Zeiten des Apostels war der Druck auf die jungen christlichen Gemeinden von allen Seiten sehr groß: Staatliche Stellen verfolgten die Gemeinden, die Umwelt reagierte mit Befremden auf den gekreuzigten Gott und innerhalb der Gemeinden traten Prediger mit allerlei falscher Lehre auf. Paulus ermutigt die Gemeinden. Er bestärkt sie für die zahlreichen Auseinandersetzungen, erklärt die Grundzüge Christlicher Theologie und gibt Anweisungen für den Umgang miteinan-der. Seinen Brief an die Gemeinde in Korinth beendet er mit den Ermahnungen zu Mut, Stärke und Wachsamkeit.
In unseren Zeiten ist in Deutschland der Druck auf die Kirche ein anderer: Wir werden immer weniger, es fehlen uns die Finanzen und die Wahrnehmung der Kirche in der Öffentlichkeit ist verkehrt oder fehlt völlig. Anlass zur Klage haben wir genug.
Aber: Gegen unsere Verzagtheit steht Gottes Wort.
Jesus Christus ist gestorben und auferstanden, um die Welt mit Gott zu versöhnen. Durch den Heiligen Geist können wir glauben. Gott schenkt uns Erlösung. Gottes Treue ist stärker als alle Leiden, als alle Bedrängnis, stärker sogar als der Tod. Die Botschaft, dass Gott uns Menschen liebt, schenkt den Gläubigen Hoffnung und Lebensmut.
Gott schenkt uns den Glauben, damit wir leben können. Wir finden Ermutigung - und bekommen gleichzeitig einen Auftrag. Weil Gott bei uns ist, müssen wir nicht verzagen, nicht mutlos sein, sondern wir können mutig, stark und wachsam sein. Mit dieser Ermutigung ist verbunden, dass wir nicht nur an uns denken, sondern dass wir unsere Kraft einsetzen, um das Leben zu fördern: Die Augen und den Mund aufmachen, die Hand ausstrecken - dass wir uns einsetzen für die Aus-gestoßenen und Unterdrückten, für die Mutlosen und die Verzagten, dass wir teilen lernen und Lasten miteinander tragen.
Gegen unsere Verzagtheit steht Gottes Wort. Wir haben die Wahl: Entweder wir richten wir uns ein in unserer Verzagtheit und beklagen unser Schicksal - oder wir nehmen Gottes Wort als Gabe und Aufgabe an.

Steht fest: Kirche St. Anna im Reschensee, Südtirol
 
Gottes Zuwendung ermöglicht uns einen liebevollen Umgang miteinander - gegen den Trend der Zeit, gegen die Gepflogenheiten der Gesellschaft.
Gottes Geist befähigt uns - jeden einzelnen und die Gemeinschaft der Christen - anders zu sein und anders zu handeln. Nicht mit dem Mut der Verzweifelten, sondern mit der Kraft Gottes, die in den Schwachen mächtig ist.

Einen schönen Sommer wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Jörg Zabka